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Bhai Tika - Tihar 2019

Traditionell findet unsere alljährliche Rundreise inzwischen immer so statt, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen Tihar und das von unseren Kindern dafür vorbereitete Festprogramm miterleben können. Dieses fünftägige Fest, welches der Göttin des Glücks und des Wohlstands, Lakshmi, gewidmet ist, zählt definitiv zu den Highlights dieser Reise. Zusammen mit Ihnen möchten wir daher dieses Mal aus dem Blickwinkel unserer Reisegruppe auf Tihar 2019 schauen.

Am Sonntag, den 27. Oktober hatten wir die zahlreichen wunderschönen  Mandalas vor Haus- und Ladeneingängen bewundern können. Zur „Lakshmi Puja“ waren abends Leuchtpfade mit symbolischen Fußspuren in die Gebäude markiert, auf denen Lakshmi ihren Weg in die Häuser finden sollte. Überall waren Gruppen von Kindern und Jugendlichen unterwegs, die, mit großen Tabletts für die erwarteten Spenden ausgestattet, rhythmisch „deusi re-“ und „bhailo re-“ Lieder skandierten und Tanzschritte vollführten.

Am Abend des 28. Oktober bekamen wir im Hotel Besuch von einer Gruppe Jugendlicher vom Haus der Hoffnung, die für uns tanzten. Wir staunten nicht schlecht, als ein großer Ghettoblaster in Position gebracht wurde. Die Mädchen und Jungen waren modern gekleidet, in Sweatshirts und Jeans oder Leggings, und modern war auch ihr temporeiches Tanzprogramm.  Es enthielt viele Elemente aus Jazz Dance und Discotänzen; ein Tänzer brachte sogar eine Breakdance-Einlage und Elemente von Michael Jacksons ‚Moonwalk`‘Die tänzerischen Talente der jungen Leute begeisterten uns, und so waren wir sehr gespannt auf das Bhai-Tika-Fest im Kinderheim am nächsten Tag mit großem Tanzprogramm.

An „Bhai Tika“, dem Haupttag des Tiharfestes, dem „Bruder-Schwester-Tag“, bekommen die Brüder von ihren Schwestern als Segenszeichen für ein langes Leben und als Dank für den Schutz und die Fürsorge, die sie bieten, ein Tika mit sieben verschiedenfarbigen Punkten auf die Stirn gemalt. An diesem Tag besuchte die Reisegruppe das Haus der Hoffnung.

Auch wir bekamen zur Begrüßung ein Tika auf die Stirn gemalt, als wir nachmittags im Kinderheim ankamen , wurden  stürmisch begrüßt und mit Blumengirlanden behängt. Unzählige Kinder wollten uns bei der Hand nehmen, sich neben uns setzen (und gern mit unseren Handys spielen!).

Die Herzlichkeit des Empfangs und das fröhlich lärmende Gewusel der Kinder war überwältigend. Gleich wurden wir zu den ringsum aufgestellten Bänken begleitet und bekamen große, aus Palmblättern kunstvoll hergestellte Teller mit allerlei Leckereien in die Hand: frisches Obst, Kokos, Nüsse, Sel roti, (leckere frittierte Kringel), und Trockenfrüchte. So gestärkt durften wir die verschiedenen Räume des Kinderheims besichtigen, begleitet vom Hausvater und von eifrigen Kindern, die uns voller Stolz ihre spartanische aber sehr saubere und aufgeräumte Unterkunft präsentierten.

Danach wanderte die gesamte Festgesellschaft das Sträßchen runter zur Turn- und Festhalle, die mit bunten Wandbehängen festlich dekoriert war und wo auf der Bühne Mikrofone und Verstärker bereitstanden. Weitere Gäste – Eltern, Verwandte und Freunde des Hauses -  trafen ein. Der Hausleiter Rajesh begrüßte die Gäste charmant, ebenso wie Ellen Dietrich (die ab da immer mindestens zwei Kinder auf dem Schoß hatte). Danach begann ein über zweistündiges, abwechslungsreiches Programm, ein Augen- und Ohrenschmaus.

In prachtvollen traditionellen Kostümen gekleidet gaben die Kinder und Jugendlichen nepalesische Gesänge, Instrumentalmusik und perfekt choreografierte traditionelle Tänze (bei denen auch schon die Kleinen den richtigen Hüftschwung beherrschten) zum Besten.  Unterschiedliche Stimmungen und unterschiedliche Regionen waren vertreten. Auch die Praktikantinnen durften mit einem Tanz zeigen, wie sehr sie die nepalesische Kultur schätzen gelernt haben. Die Spiel- und Tanzfreude war überschwänglich, das Können der jungen Leute beeindruckend. Das Publikum dankte es ihnen mit begeistertem Applaus.

Danach wurden die Gäste zu einem opulenten Mahl eingeladen, das die engagierten „Didis“ zubereitet hatten. Dal Bhat war natürlich dabei,  aber auch viele andere Leckereien. Alle ließen es sich gut schmecken und führten viele anregende Gespräche dabei.

Nach einem erlebnisreichen Festtag kehrten wir glücklich und voll von intensiven Eindrücken durch das nächtliche Kathmandu ins Hotel zurück.

Ann-Charlotte Staiger und Renate Schuster

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