Update vom 3- Mai-2015

Die Regierung hat angeordnet, dass alle, die noch über ein Dach über dem Kopf haben,  in ihre Häuser zurückkehren müssen. Deshalb sind nun unsere kleineren Kinder wieder in Gangabo, wo es auch wieder Wasser und Strom gibt. Die Risse scheinen nun doch nicht allzu groß und gefährlich zu sein.

Nach Tagen auf dem teilweise kalten und nassen Boden im Zelt schlafen nun alle wieder in ihrem eigenen Bett. Es gibt immer noch schwächere Nachbeben.  Ein Praktikant meint, dass er sich schon so sehr daran gewöhnt habe, dass er sie gar nicht mehr wirklich spüre.

Umesh (Klasse 10) wurde krank. Aufgrund einer ärztlichen Falschdiagnose wurde er gegen Gelbsucht behandelt. Im Krankenhaus stellten die Ärzte jedoch Lungenentzündung fest. Sobald er die richtige Behandlung erhielt, ging es mit ihm aufwärts. Heute wurde er entlassen und spielte mit einigen draußen Karten.  

Unsere Jugendlichen  in den Wohnungen hat das Erdbeben psychisch sehr zugesetzt.  Um dem Grauen für kurze Zeit zu entkommen und etwas abschalten zu können, sind sie in ihre Dörfer gefahren, die im Süden, einer vom Erdbeben nicht betroffenen Region, liegen.  Deependra, dessen Dorf im Epizentrum lag und völlig zerstört wurde, nahmen sie mit sich. Zum Glück hat die verwitwete Mutter des jungen Mannes überlebt. Wo sie sich jetzt aufhält, konnten wir noch nicht herausfinden. Die Jugendlichen sind auch aus Kathmandu weggegangen, weil sie Angst vor dem Ausbruch von Seuchen haben.

Leider haben wir auch eine sehr, sehr traurige Nachricht. Gokul, ein inzwischen 27 jähriger junger Mann war Teil des Externenprogramms des Vereins.  Er wird seit dem Erdbeben vermisst. Seit seiner 9. Klasse wurde er bis zum Abschluss seines Touristikstudiums unterstützt.  Inzwischen ist er Chef eines sich auf dem Markt behauptenden kleinen Reisebüro und konnte in seinem eigenen Unternehmen seinen Geschwistern  Arbeit verschaffen. Durch ein „Home-Stay“ Programm  verhalf er seinen Eltern und seinem Dorf zu einem bescheidenen Wohlstand.  Bei meinen Reisegruppen war er regelmäßig der bei allen beliebte und sehr kompetente Reisebegleiter.

Zur Zeit des Unglücks führte er eine Treckinggruppe, bestehend aus einer unserer Praktikantinnen,  vier weiteren Deutschen und drei Trägern, im Langtang -Gebiet. Er und eine der Deutschen fühlten sich nicht wohl und befanden sich zusammen mit einem der Träger im Hotel, als das Erdbeben ausbrach und mit einer Schlammlawine die drei Menschen zuschüttete. Unsere Praktikantin und die anderen drei haben glücklicher Weise überlebt. Da es nie ein Lebenszeichen von den dreien im Hotel gab, müssen wir davon ausgehen, dass sie tot sind.Wir sind sehr betroffen, tief bestürzt und erschüttert und können das Geschehene noch gar nicht fassen. Um alle drei trauern wir sehr und sprechen den Angehörigen unsere tiefe Anteilnahme aus.  Mich ganz persönlich schmerzt der Tod von Gokul sehr, denn wir waren innig miteinander verbunden.  

Den betroffenen nepalesischen Familien wollen wir entsprechend ihren Bedürfnissen aus Ihren Spenden finanziell helfen.